Elitestudiengang Osteuropastudien
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Ausstellung: Leben im Wartesaal. Das jüdische Regensburg der Nachkriegszeit: Mendel Man und „Der najer moment“

12.11.2013

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch Regensburg zu einem Auffangbecken für ehemalige Lagerhäftlinge, Kriegsgefangene oder -flüchtlinge, sogenannte „displaced persons“ (DPs). Für viele der vorwiegend jüdischen DPs war dies jedoch nur eine Durchgangsstation auf der Reise nach Palästina oder in die USA, weshalb sie ihr Dasein in Deutschland oftmals als „Leben im Wartesaal“ empfanden. Dennoch begannen hier Künstler, Schriftsteller, Journalisten und Intellektuelle ein kulturelles Leben aufzubauen, zum Beispiel mit der Herausgabe eigener Zeitschriften und Zeitungen. 

Erstausgabe Najer MomentIn Regensburg entstand „Der najer moment“ (Der neue Moment), eine Wochenzeitung, die zwischen März 1946 und November 1947 in jiddischer Sprache erschien. Siebzehn Studierende des 9. Jahrgangs des ESGs Osteuropastudien nahmen sich dieser Zeitung an und erarbeiteten unter der Leitung der Dozentinnen des Instituts für Slavistik der Universität Regensburg, Prof. Dr. Sabine Koller und Diane Schürmeier, eine Ausstellung, die im Winter 2013/14 in Regensburg in der Städtische Galerie im Leeren Beutel zu sehen war.

„Der najer Moment“ kann als eine Art symbolischer Nachfolger der 1910 gegründeten und auflagenstärksten Tageszeitung „Moment“ des jüdischen Warschau angesehen werden, die dort bis 1939 existierte. Politische Beiträge zu Themen wie die Ende 1945 begonnenen Kriegsverbrecherprozesse, die Lage in Palästina, aber auch soziale, regionale, literarische oder feuilletonistische Artikel finden sich in „Der najer moment“ wieder.

Diese Zeitung sowie das Leben und Schaffen des polnisch-jüdischen Künstlers, Dichters und Redakteurs des „Najer Moment“, Mendel Man, bildeten den Rahmen der Ausstellung, mit der ein wichtiges Kapitel Regensburger jüdischer Nachkriegs- und Mediengeschichte erstmals in der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

   Portrait Mendel Man            Aquarell_Mendel Man

(Bildvorlagen Abb. Erstausgabe "Najer Moment" und Foto Mendel Man: Archiv Inge Angerstorfer, Abb. Aquarell mit freundlicher Genehmigung von Zvi Man)

Der Besucher betrat eine begehbare Zeitung und durchwanderte die Seiten von „Der najer moment“ mit allen dazugehörigen Bestandteilen des Wochenblatts. Anlässlich der Ausstellung erschien zudem eine deutschsprachige Neuauflage der Zeitung. (PDF) (plus Beiblatt).

Die Vernissage fand am Sonntag, den 24. November 2013 im Beisein des Oberbürgermeisters der Stadt Regensburg, Hans Schaidinger, statt. Besonderer Gast der Eröffnung war Zvi Man, der Sohn Mendel Mans, der dem Projekt Bilder und Materialien aus dem Nachlass seines Vaters großzügig zu Verfügung gestellt hat.

Ein Programm aus Lesungen und Vorträgen wird die Ausstellung begleitet:

01.12.2013, 18.00 Uhr
Lesung:
Mendel Mans Regensburger Erbe in jiddischer und deutscher Sprache
Referent: Prof. Dr. Armin Eidherr (Universität Salzburg)

08.12.2013, 18.00 Uhr
Podiumsgespräch: "Die zukünftigen Generationen sollen nicht nur wissen, sondern auch gedenken."
Referenten: Ilse Danziger (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg), Holger Nath (Jiddist am Institut für Slavistik der Universität Regensburg), Annika Nielsen (Studentin des Elitestudiengangs Osteuropastudien und Projektkoordinatorin der Ausstellung), Jim G. Tobias (Historiker und Leiter des Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e.V.)
Moderation: Waltraud Bierwirth — Journalistin und Autorin, Mitverfasserin des Dokumentationsbandes über die Reichspogromnacht in Regensburg »Das November-Pogrom 1938 und der lange Weg zu einer neuen Synagoge«

09.01.2014, 18.00 Uhr
Vortrag: In der jiddischen Zeitungsgeschichte geblättert
Referent: Joachim Hemmerle (Mannheim)

16.01.2014, 18.00 Uhr
Vortrag: „Auf fremder Erde“: Jiddische DP-Literatur in Deutschland
Referentin: Dr. Tamar Lewinsky (Universität Basel)

 

Pressestimmen zur Ausstellung

"Das Sprachrohr jüdischer Überlebender", Mittelbayerische Zeitung vom 25.11.2013

"Sein Vater schrieb Zeitungsgeschichte", Mittelbayerische Zeitung vom 25.11.2013

"Mir sejnen do un weln sajn", haGalil - Jüdisches Leben online vom 27.11.2013

Radiobeitrag in Schalom BR 2 vom 13.12.2013

 

Materialien

Einladungskarte

Plakat

Begleitprogramm